Barrierefreiheit in der Elektroinstallation – Active Assisted Living – Altersgerechtes Wohnen – TEIL 3 Licht und Beleuchtung

Licht beeinflusst unsere innere Uhr

In den frühen Morgenstunden beginnt der menschliche Körper aufgrund der hormonellen Tag/Nacht-Umgstellung mit gesteigerter Wachsamkeit. Die Konzentration erhöht sich und der Mensch fühlt sich fit und leistungsfähig.

Mit dem abendlich abnehmenden Blauanteil und somit rötlicheren Licht werden die genannten Prozesse umgekehrt, was zu einer verstärkten Produktion von Melatonin führt und den Menschen müde werden lässt.

Mit moderner LED-Technik ist es möglich, durch eine entsprechende Beleuchtungssteuerung, die Lichtverhältnisse dem Lebensrhythmus der Bewohner anzupassen.

Flächenleuchte Norea mit Tunable White Steuerung für unterschiedliche Farbtemperaturen

Die Unterstützung des menschlichen Biorhythmus durch beleuchtungstechnische Lösungen, die dem natürlichen Tageslicht möglichst nahe kommen, wird erreicht durch:

  • großflächige Leuchten oder durch große beleuchtete helle Flächen,
  • blendfreie Leuchten mit direkter und indirekter Lichtstrahlung sowie
  • Raumbegrenzungen durch reflektierende und helle Flächen an Wänden und Decken.

Die Farbtemperaturen der Leuchten können zwischen 3000 und 6500 Kelvin (warmweißes/ kaltweißes Licht) gesteuert werden und unterstützen somit den Wach-Schlaf-Rhythmus. Zudem können RGB-Nachtlichter mit entsprechender Farbsteuerung eingesetzt werden.

Empfehlungen für Beleuchtungsstärken nach Wohnbereich. Diese Werte können bei verminderter altersbedingter Sehkraft verdoppelt werden

Beleuchtungsstärke

Generell sollte eine Verdopplung der Beleuchtungsstärke für Senioren vorgesehen werden. Notwendig sind in diesem Zusammenhang nicht nur höhere Leistungen, sondern auch zusätzliche Leuchten.

Leuchtdichte- bzw. Farbkontrast

Das Erkennen von Objekten ist nur möglich, wenn der Leuchtdichte- bzw. Farbkontrast ausreichend hoch ist. Durch verminderte Fähigkeit älterer Menschen Farben zu erkennen, kommt dem Leuchtdichtekontrast eine besondere Bedeutung zu. Die Wahl der entsprechenden Lichtfarbe (Farbtemperatur) wirkt unterstützend bei verschiedenen Sehaufgaben. Durch ausreichend helle, dabei aber blend- und schattenfreie Beleuchtung werden Stolperstellen besser erkannt.

Blendempfindlichkeit

Bei älteren Menschen nimmt die Blendempfindlichkeit erheblich zu. Blendungen und Reflexe durch Spiegelungen sind somit auf jeden Fall zu vermeiden.

Gute Sicht durch Licht, Farben und Kontraste

Farbliche Kontraste zwischen angrenzenden Flächen wie Boden, Wand oder Türen verbessern Raumwahrnehmung und Orientierung. Einfärbige Flächen erleichtern das Auffinden von Gegenständen. Ausreichende Beleuchtung in kritischen Bereichen wie Stiegen, Treppen und Eingängen sorgt für Komfort und Sicherheit. Ein Bewegungsmelder für die Nachtbeleuchtung auf dem Weg vom Bett zum WC kann Stürze vermeiden. Individuell einstellbare Beleuchtung ist in allen Arbeits- und Lebensbereichen wichtig.

LED-Lichtrahmen
zur besseren Orientierung

Farben und Licht tragen viel zum Wohlfühlen beim Wohnen bei. Für sehbehinderte Menschen hat das Thema aber eine viel weitreichendere Bedeutung. Sie können wichtige Elemente im Raum wie Türrahmen und Möblierung nur dann erkennen, wenn sie sich durch starke Kontraste von der Umgebung abheben. Das Gleiche gilt für Glasflächen, Stufen und Absätze. Sind diese farblich markiert, können auch sie erkannt werden.

Grundsätzlich ist viel Licht gefragt, um Sehaufgaben bewältigen zu können. Wichtig dabei ist, dass die Lichtquelle ganz individuell einstellbar ist. Die Möglichkeit für gedämpftes Licht und ein hohes Maß an Blendfreiheit muss aber dennoch gegeben sein.

Klare Kontraste, viel Licht und starke Farben verbessern die Raumwahrnehmung, erleichtern die Orientierung und vermindern das Verletzungsrisiko.

Von entscheidender Bedeutung und Voraussetzung für die Platzierung der Beleuchtungsanschlüsse. Die Anzahl der Beleuchtungsanschlüsse richtet sich nach der ausgewählten Ausstattungsvariante. Zu empfehlen ist mindestens die Anwendung des Ausstattungswertes KOMFORT.

Zu beachten ist, dass neben einer ausreichenden Anzahl von Deckenanschlüssen auch genügend Wandanschlüsse und Steckdosen für Beleuchtung vorhanden sein müssen. Diese sind besonders dort notwendig, wo absenkbare Arbeitsflächen und Schränke zum Einsatz kommen, die separat beleuchtet werden müssen, z. B. in Küche, Bad, Hausarbeitsraum und Arbeitszimmer.

In Schlafzimmern sollte die Vorbereitung von Beleuchtungsanschlüssen für die Nachrüstung einer Pflegebettbeleuchtung getroffen werden. Schatten, Spiegelungen, starke Hell-Dunkel-Übergänge und sogenannte „überholende Schatten“, die insbesondere demenzerkrankte Menschen irritieren, führen zu Sehschwierigkeiten und Fehlinterpretationen.

Für mehr Komfort sorgt eine den Bettplätzen zugeordnete Lesebeleuchtung. Die Leseleuchten sollen so installiert sein, dass das Licht schräg von hinten über die Schulter auf die Lektüre fällt. Im Pflegefall ist eine ausreichende Beleuchtung der Bettplätze wichtig. Es wird deshalb geraten, die Elektroinstallation im AAL-Umfeld schon gleich für diesen Fall vorzubereiten.

Bessere Orientierung durch kontrastreiche Lichtsetzung für Menschen mit Demenzerkrankung

Im Bad sollten die Dusch- und Wannenbereiche ausreichend hell beleuchtet sein. Insbesondere dürfen Duschabtrennungen und Wannenbegrenzungen keinen starken Schattenwurf produzieren.

Im Wohnzimmer muss die Beleuchtung so ausgeführt sein, dass Hindernisse erkannt werden und eine Orientierung auch bei eingeschränkter Sehfähigkeit leicht möglich ist.

Formschöne und funktionelle Designleuchten li:fy im REHA-Zimmer des LebensPhasenHaus in Tübingen, Deutschland
Abruf von Lichtszenen
mittels Fernbedienung

Hilfreich ist im Wohnbereich auch das Abrufen voreingestellter Lichtszenen. Diese Möglichkeit bietet sich, wenn eine Gebäudeautomation installiert ist. Insbesondere in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Personen erleichtert die Möglichkeit voreingestellte Szenen (z. B. Allgemeinbeleuchtung, Fernsehlicht, Esstischbeleuchtung u. ä.) per Knopfdruck auf einer Fernbedienung abzurufen, den Alltag. Ebenso ist die Steuerung per Smartphone oder Sprachsteuerung möglich:  Lichtszenarien können individuell konfiguriert werden und laufen automatisch ab:

  • Automatische Weiß-Weiß-Steuerung, Farbsteuerung (RGB), Helligkeits- und Farbtemperatursteuerung in Abhängigkeit der Tageszeit
  • Steuerung nach Anwesenheitserkennung
  • Abrufen von Lichtszenen mit entsprechenden Farbverläufen und Beleuchtungsintensitäten
  • Konfiguration mittels Smartphone-App möglich oder manuelle Steuerung über Touchpanel und/oder  Taster

Die Beleuchtung eines Arbeitszimmers oder Hobbyraums muss sich an der Art der Tätigkeit
orientieren. Der Arbeitsplatz ist so zu gestalten, dass störende Blendwirkungen oder Spiegelungen auf dem Bildschirm und den sonstigen Arbeitsmitteln vermieden werden. Bezüglich der Arbeitsflächen gelten die Festlegungen wie für Küchen.

Der Eingangsbereich einer Wohnung sollte so ausgeleuchtet sein, dass eintretende Personen gut erkannt werden. Auch das Schließsystem muss gut beleuchtet und möglichst frei von eigenem Schattenwurf sein. In Vorzimmern ist eine übermäßige Hell-Dunkel-Differenz zu angrenzenden Wohnbereichen zu vermeiden. Durch Präsenz- oder Bewegungsmelder wird die Beleuchtung automatisch aktiviert. Die Gebäudesystemtechnik bietet hier eine Vielzahl von Möglichkeiten, z. B. eine automatische Anpassung der Beleuchtungsstärke an Tages- und Nachtzeiten.

Im Treppenbereich muss eine schattenfreie Beleuchtung der Treppenstufen sichergestellt sein. Stufenkanten sollen gut erkennbar und deshalb lichttechnisch betont sein. Dies kann zum Beispiel durch seitliche Wandeinbauleuchten oder auch durch im Handlauf integrierte nach unten strahlende Leuchten erfolgen.

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