Barrierefreiheit in der Elektroinstallation – Active Assisted Living – Altersgerechtes Wohnen – TEIL 4 Notrufsysteme

Konventionelle Hausrufnotsysteme

Am weitesten verbreitet sind sogenannte Hausnotrufsysteme. Sie bestehen aus einer Basisstation und einem kleinen Sender, den man ständig bei sich tragen kann. Der Sender ist klein und leicht, damit er nicht bei Ihren täglichen Verrichtungen stört. Dazu sollte er in einem wasserdichten Gehäuse untergebracht sein, damit man ihn auch unter der Dusche oder beim Abwasch nicht ablegen muss.

Der Notruf kann aber auch über fix in der Wand installierte Geräte einfach abgesetzt werden oder im Bad z. B. über Zugschalter, die auch bei Sturz noch in Griffweite sind.

Ein mobiles Notrufsystem funktioniert sehr ähnlich wie ein Hausnotruf: Auch hier tragen die Personen einen mobilen Sender, der bei Knopfdruck einen Alarm auslöst. Zusätzlich verfügen einige Geräte über einen Sturzsensor, der automatisch Alarm schlägt, wenn der Träger stürzt.
Oft ist zudem auch ein GPS-Sender integriert, der eine exakte Ortung des Patienten durch die Zentrale ermöglicht, wenn diese unterwegs ist

Mobiltelefone für Senioren zeichnen sich vor allem durch besonders große, griffige Tasten und eine hohe Lautstärke aus. Sie sind also besonders einfach zu bedienen. Da jedes Handy auch mit einem GPS-Sensor ausgestattet ist und zudem die Möglichkeit bietet, häufig benötigte Rufnummern per Kurzwahl mit nur einer Taste anzurufen, eignen sich auch als Notruflösung.

Sie bieten meist ein übersichtliches Großdisplay, das zur besseren Lesbarkeit hinterleuchtet ist. Direktwahl-Fototasten ermöglichen die Wahl auf Tastendruck. Die Klingellautstärke soll extra laut einstellbar sein, ebenso die Hörerlautstärke. Das Telefon soll hörgerätetauglich sein. Ein optionales Vibrationskissen signalisiert einen eingehenden Anruf durch Vibration. Der sichere Notruf des Telefons kann sowohl über das Telefon selbst, Notruftaste, als auch über einen mobilen Funk-Notrufsender ausgelöst werden.

Wichtig dabei ist die integrierte Batterie bei Spannungsausfall und die Versorgung über einen eigenen Stromkreis.

Smarte Alarmsysteme für automatische Notfallerkennung

Das KNX-Netzwerk ist seit Jahrzehnten der bewährte Standard führender Firmen in der Hausautomation.

-> Mehr dazu lesen Sie hier:

KNX für die gute Verbindung

So können z. B. Bewegungsmelder (Funk oder drahtgebunden) wichtige Daten ermitteln. Das Gerät wird an einer Stelle in der Wohnung platziert, an der die alleine lebende Person täglich mehrmals vorbeikommt, etwa in der Küche, im Vorraum oder im Bad. Sobald der Bewegungsmelder dann eine Bewegung wahrnimmt, sendet er ein Funksignal an die Basisstation und setzt damit einen Zähler zurück. Sollte diese Meldung länger als die am Gerät eingestellte Zeit nicht kommen (weil der Bewegungsmelder keine Bewegungen wahrnimmt und meldet), löst das automatisch einen Alarm in der Notrufzentrale aus. Über den KNX-Bus wäre es dann auch möglich, Szenarien auszuwerten, wann die letzte Aktivität im Gebäude stattgefunden hat. So kann man beispielsweise eine automatische Warnmeldung absetzen wenn 10 Stunden kein Taster oder Präsenzmelder mehr aktiv war.

Allein die Tatsache, dass Licht im Bad ein- und ausgeschaltet wird, bedeutet, dass die betreffende Person aktiv ist. Bleiben solche Signale aus, ist es angezeigt, sich Gewissheit zu verschaffen. Ähnlich gute Informationen liefert die Tatsache, dass ein Mensch zu einem Zeitpunkt das Bad betritt (das Licht geht an oder der Bewegungsmelder reagiert), aber nach einer angemessenen Zeit nicht wieder herauskommt. Das lässt vermuten, dass ein Notfall durch Sturz passiert ist.

Diese sogenannten Domotik-Sensoren (automatische Warnsysteme zur frühzeitigen Erkennung fehlender Aktivität in der häuslichen Umgebung wie vernetzte Lichtschalter, Bewegungsmelder, Fenster- und Türkontakte) helfen effektiv und verlässlich. Bei allein lebenden Menschen ist es wichtig zu wissen, ob der Betroffene zum Beispiel aufgestanden ist und sich in der Wohnung bewegt.

Domotik-Sensoren

Menschen mit Demenz neigen oft dazu, unbeaufsichtigt das Bett zu verlassen. Zum einen kann das sehr schnell zu Stürzen führen zum anderen können sie aber auch unbemerkt das Haus verlassen.

Der Bettkantenalarm gibt ein Signal, sobald sich die pflegebedürftige Person aufsetzt.
Die Sensortrittmatte, die ebenfalls auf Druck anspricht und ein Signal weiterleitet, sobald sie betreten wird.

Der Bettkantenalarm ist ein sogenanntes Bettflucht-Warnsystem und besteht aus einem Sensor, der in eine schmale Drucksensorfolie eingebaut ist. Diese Drucksensorfolie wird an der Bettkante zwischen Leintuch und Matratze gelegt und reagiert auf Druck/Belastung. Sobald der Sensor belastet wird, wird der Empfänger mittels eines optischen oder akustischen Signals benachrichtigt.

Ein weiteres Senioren-Hilfsmittel für die unbemerkte Überwachung von dementen Menschen sind Sensortrittmatten oder auch Alarmtrittmatten genannt. Die Sensortrittmatten werden vor das Bett oder unter die Fußmatte an Wohnungs- bzw. Terrassentüren gelegt. Mittels eines Sensors wird der Empfänger darüber informiert, wann die Person das Bett verlassen will.

Eine andere Technik nutzt Sensoren im Bodenbelag als Alarmmatte. So funken Hunderte von Drucksensoren beim SensFloor-Boden (Teppich oder Laminat), wenn jemand über den Boden läuft. Ändert sich der Druck an den einzelnen Sensoren derart, dass es anstelle von „Fußabdrücken“ einen „Körperabdruck“ gibt, wird Alarm ausgelöst.

Die einfachste Lösung besteht darin, Senioren einen Fallsensor mit Alarmknopf auszustatten. Ein 3D-Beschleunigungsmesser misst die sturztypische Bewegung, notfalls kann die gefallene Person Hilfe auch per Knopfdruck rufen.

Notrufe über Monitoring der Vitalparameter

Gewicht, Blutdruck, Blutzucker, Puls und Temperatur sind die geläufigsten Vitalwerte des Menschen. Weichen diese vom typischen bzw. krankheitstypischen Bild ab, ist etwas nicht in Ordnung. Es werden bereits sehr zuverlässige, vom Patienten leicht zu handhabende Geräte angeboten, die zudem per Funk vernetzt sind, so z. B. die vom Handy bekannte Technologie Bluetooth.

In der Regel bieten die Vitaldienste grafische und statistische Aufbereitungen der Messwerte an und alarmieren bei signifikanten Abweichungen vom Sollwert. Ein Beispiel: Ein herzkranker Mann nimmt etwa eine Woche lang täglich mehr als ein Kilogramm Gewicht zu. Das deutet auf Wassereinlagerungen hin. Vielleicht hat die betroffene Person es aber auch nur versäumt, seine

Voraussetzung für all das ist ein schnelles, zuverlässiges Internet in allen Räumen. Daher sollten alle Häuser und Wohnungen beim Neubau, beim Sanieren und beim Renovieren mit einer lokalen Netzwerk-Verkabelung ausgestattet werden.

Wichtige Basisinformationen

Nur auf WLAN zu setzen wäre leichtfertig, denn gerade in Wohnanlagen mit vielen WLANs ist die Bandbreite technisch bedingt eingeschränkt.

Auf Funk basierende Gebäudesteuerungssysteme (wie EnOcean, RWE-SmartHome, ZigBee, ZWave und EQ3) sind in jeder Wohnung nachrüstbar und finanziell erschwinglich.

Für diverse Notfallsysteme sollte eine eigener Stromkreis Pflicht sein, und entsprechend viele Anschlüsse eingeplant werden, zumindest beim Platz im Verteiler und der Leerverrohrung.

Mit Alexa Skills und anderen Systemen sind jetzt erstmals sprachgesteuerte Hausnotruf-Apps verfügbar, mit denen entsprechende Nachrichten bzw. Anrufe abgesetzt werden können („Alexa sage Hausnotruf dass ich gestürzt bin“ oder „Alexa starte Notruf“), die aber noch nicht hinreichend getestet sind.

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